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Widerstand: Die Edelweißpiraten
(von Lasse Stoltenberg und Till Burmeister)
Gliederung:
Die Anfänge
der sogenannten "wilden Jugendgruppen", zu denen
auch die Edelweißpiraten gehörten, entstanden in den Jahren
1938/39, als die HJ durch die "Jugenddienstpflicht" vom
25.2.1939 die Freiheiten der Jugendlichen immer mehr einschränkte.
Diese Einschränkung hatte zur Folge, dass viele Jugendliche
den Wunsch nach jugendlicher Selbstbestimmung hegten und dementsprechend
die Disziplin und den Massencharakter der nationalsozialistischen
Jugendorganisationen ablehnten.
Das galt auch
für Mädchen, die sich nicht in die "Frau und Mutterrolle" der
Nationalsozialisten drängen lassen wollten und sich deshalb
den wilden Jugendgruppen anschlossen. Durch die Mädchen wurde
die Anziehungskraft der Cliquen erhöht, da in der HJ eine absolute
Geschlechtertrennung herrschte.
Die wilden
Jugendgruppen entstanden direkt aus der 1933 verbotenen bündischen
Jugend oder lehnten sich an deren Traditionen an. Die bündische
Jugend hatte ihre Wurzeln in der 1899 entstandenen Wandervogelbewegung.
1913 wurden diese Jugendgruppen zur "Freideutschen Jugend" zusammengeschlossen
(auf dem Hohen Meißner bei Kassel). Ziele des Zusammenschlusses
waren: Selbstverantwortlichkeit und Selbsterziehungsrecht,
Anerkennung des Eigenwertes der Jugend, Lebensformen durch
Rückkehr zur Wahrhaftigkeit und Natürlichkeit (Wandern, Volkslied,
Volkstanz). Daraus resultierend entstanden die "Freien
Schulgemeinden". Ende der 20er Jahre modernisierte sich
diese Art von Lebensform. Der Einzelne und die Gruppe verloren
an Bedeutung. Die uniformierte Masse stand immer mehr im Vordergrund.
Anstatt zu wandern wendete man sich mehr und mehr zu Sport
und Technik hin. Diese Entwicklung wurde von den Nationalsozialisten
aufgenommen und in ihr Programm miteinbezogen, was sich im
Charakter der NS-Jugendorganisationen niederschlug. Die alten
bündischen Gruppen wurden dementsprechend gleichgeschaltet
und die alten Formen bündischen Lebens verboten. Wer sich der
Gleichschaltung bzw. dem Verbot widersetzte, wurde verfolgt
und bestraft.
Die Mitglieder
der Edelweißpiraten waren meist Kinder aus ärmlichen Arbeiter
Familien. Mit 14 verließ man die Schule und kam in die Hitlerjugend als
dies vorbei war, hatte man keine Ausbildung und wurde auch
teilweise nicht zum Wehrdienst eingezogen. Man hatte nun wenig
zu tun und gefiel einigen Jugendlichen nicht, Freizeit Aktionen
wurden nicht mehr angeboten selbst in der Hitlerjugend wurden
Ausflüge gestrichen. Ein teil der Edelweißpiraten nannten sich
auch „Kölner Navajos" sie waren
die aktivste Gruppe, es gab außerdem die "Fahrtenstenze" und
die "Kittelbachpiraten" sie gehörten auch zu den
Edelweißpiraten. Die Kennzeichen der Edelweißpiraten waren:
blecherne Edelweiße am Kragen, Totenköpfe und Stecknadeln mit
Buntenköpfen. Ihre Kleidung war meist einheitlich. Sie trugen
karierte Schottenhemden, kurze Hosen, weiße Schals, weiße Strümpfe,
ein Fahrtenmesser, Hirschfänger und vielfach Schusswaffen.
Sie trafen sich in Städten, Luftschutzbunkern, Straßenecken
und verschiedenen Anlagen. An Wochenenden Zelteten sie außerdem
und schlugen sie HJ- Streifendienste zusammen.
Die Edelweißpiraten
waren meist zwischen 14-18 Jahre alt, sie hatten sich eigene
Lieder zugelegt in denen sie für die Befreiung von Hitler und
damit für die Freiheit kämpften. Diese Lieder wurden als bündische
Lieder bezeichnet. Einige Edelweißpiraten hatten sich Spitznamen
zugelegt wie: Jonny, Texas- Jack, Alaska- Bill, Whisky- Bill,
Kanera, Hatte und Fatz. Die Edelweißpiraten plünderten
unter der Führung Barthel Schink Güterzüge und versorgten damit
untergetaucht Ostarbeiter und KZ-Flüchtlinge mit Lebensmitteln.
Ein Keller in der Schönsteinstraße (Köln), wurde zum Waffenlager.
Die Waffen erhielten sie vom Schwarzmarkt oder als Beute von
Soldaten. Zum Führergeburtstag 1944 ließ Barthel Schink einen
Zug entgleisen, der Nachschub für die Front liefern sollte.
Eine weitere Sabotageaktion gab es auch: Ein Edelweißpirat
war bei der Bahn beschäftigt. Deswegen konnte er mit
anderen unbeobachtet in die Schmiernippel Pinkeln. Sie hofften,
dass die Räder heiß liefen und dadurch unbrauchbar gemacht
würden. Am Bahnhof waren außerdem Plakate angebracht auf denen
stand: "Räder müssen rollen für den Sieg". Daraufhin
schrieben die Edelweißpiraten drunter: "Nazi-Köpfe müssen
fallen nach dem Krieg".
Karl
May
Neben dem
alten bündischen Gedankengut, wurden viele Jugendgruppen von
bestimmten Schriftstellen beeinflusst, unter anderem auch von
Karl May.
In den 20er
Jahren war Karl May ein beliebter "Jugend- und Volksschriftsteller".
Von den Nazis wurde er äußerst zwiespältig gesehen. Während
Hitler in Winnetou ein Vorbild für die deutsche Jugend und
das "Musterbeispiel eines Kompanieführers" sah, wurde
May auf der anderen Seite von NS-Pädagogen als Pazifist und
Antirassist bekämpft. Etliche seiner Werke wurden verboten
oder im nationalsozialistischen Sinne verändert. Diese Änderungen
existierten übrigens noch über 1945 hinaus! Gerade die pazifistischen
und antirassistischen Aussagen seiner Bücher hatten einen großen
Einfluss auf die jugendlichen Protestgruppen. Ebenso wie die
abenteuerliche Romantik seiner Geschichten.
Ausflüge,
Fahrtenwesen und Verweigerung
Die Jugendlichen
hatten eine bewusste Antihaltung gegenüber dem Staat, allerdings
kein politisches Konzept und keine gemeinsame Organisation.
Da die einzelnen Gruppen nebeneinander her existierten, hatte
später die Gestapo bessere Zugriffsmöglichkeiten.
Das freie
Fahrtenwesen der Wandervogelbewegung war von der HJ-Führung
verboten worden. Stattdessen wurden HJ-Fahrten und -Lager eingeführt.
Hier war der Tagesablauf mit militärischer Disziplin geregelt,
es dominierten ideologische Schulungen und paramilitärische Übungen.
Um den oppositionellen Jugendlichen die freien Fahrten unmöglich
zu machen, wurde ihnen das Trampen verboten und die Benutzung
von Feuerzelten. Diese Verbote wurden wiederum damit durchgesetzt,
dass Fahrtenerlaubnisscheine eingeführt wurden und der HJ-Streifendienst
gebildet wurde, der die verbotene Fahrtenaktivität kontrollieren
sollte. Die Edelweißpiraten missachteten des Fahrtenverbot.
Eine andere
Form der Verweigerung war das Schwänzen des HJ-Dienstes oder
ein provozierter Rausschmiss aus der HJ. In diesen Fällen hatte
das eine Meldung zur Folge, die den Jugendlichen Schwierigkeiten
in der Schule und bei der Suche nach einer Lehrstelle bereitete.
Waren die
verbotenen Fahrten und die Nichtteilnahme am HJ-Dienst eine
reine Verweigerung, entwickelte sich später bei den Edelweißpiraten
ein spontaner politischer Widerstand.
"...Ich
ging mit noch mehreren Jungen in Zivil am Hellweg runter,
als wir plötzlich von einer Menge Jungens überfallen wurden.
Schätzungsweise waren es etwa 50 Personen. Es entwickelte
sich eine Schlägerei, bei der A. einen Messerstich in die
linke Hand erhielt. Es mag gegen 20.30 Uhr gewesen sein..." (Bericht
eines HJ-Mitgliedes)
Besonders
verhasst waren den Edelweißpiraten die HJ-Führer, da sie als
hundertprozentige Nazis galten. Wenn diese HJ-Führer nach Dienstschwänzern
suchten, wurden sie oft in eine Falle gelockt und verprügelt.
Ein anderes Widerstandsmittel war das Verteilen von Flugblättern
mit antifaschistischen Inhalt und das Malen von Wandparolen
mit ebensolchen Inhalt.
"...Es
besteht der Verdacht, dass diese Jugendlichen (Edelweißpiraten)
diejenigen sind, welche die Wände in der Unterführung an
der Altenbergstraße beschrieben mit "Nieder mit Hitler", "das
OKW lügt", "Orden und Ehrenzeichen für das große
Morden", "Nieder mit der Nazi Bestie" u.s.w." (aus
einem Schreiben des NSDAP-Ortsgruppenleiters in Düsseldorf-Grafenberg)
Die Jugendlichen
hörten auch feindliche Sender ab und verbreiteten die Nachrichten
auf Flugblättern. Das Hören von Feindsendern und die Verbreitung
der Nachrichten war eine lebensgefährliche Sache.
"Im
März/April 1944 haben wir jede Nacht den englischen Sender
abgehört und kriegten so immer die neusten Informationen.
Und dann machten wir Flugblätter auf Schuhkartons.... Die
Texte waren ganz unterschiedlich: Die Amerikaner stehen an
den Reichsgrenzen. Macht Schluss mit dem Scheiß-Krieg oder
wir haben andere Flugblätter gemacht. Ich entsinne mich an
eines, da war Stalingrad gefallen, da steht Hitler zwischen
Leichen und ist am Lachen, darunter stand: Ich fühle mich
so frisch, es naht der Frühling." (Bericht eines Edelweißpiraten)
Kontaktaufnahme
zu anderen Gruppen
Mit zunehmender
Brutalität des Krieges bildeten sich immer neue Jugendgruppen.
Sie trafen sich an den Bunkern, wo sich ihr Alltag abspielte.
Man sprach darüber wie schön es wäre ohne Krieg, wenn man tun
und lassen könnte was man wollte, nicht zum HJ-Dienst müsste
u.s.w.
1943 entschlossen
sich einige Mitglieder der Edelweißpiraten, in die Illegalität
zu gehen und Kontakt zur politischen Opposition aufzunehmen.
Es handelte sich hier um Edelweißpiraten aus dem Köllner Arbeiterstadtteil
Ehrenfeld, der sogenannten "Ehrenfelder Gruppe".
Diese Gruppe bestand aus geflohenen Häftlingen, Zwangsarbeitern,
Russen, Juden, Deserteuren und Jugendlichen.
Die Ehrenfelder
Gruppe nahm Verbindung mit der größten Kölner Widerstandsorganisation,
dem Nationalkomitee Freies Deutschland, auf. In Ehrenfeld selber
existierte eine bewaffnete Widerstandsgruppe des National Komitees.
Gebildet hatte sich die Ehrenfelder Gruppe um den geflohenen
KZ-Häftling Hans Steinbrink (genannt Bombenhans).
Hans Steinbrink
kam aus einem antifaschistischen Elternhaus. Er kam öfters
mit den Nazis in Konflikt, was ihn letztendlich ins KZ brachte.
1944 gelang ihm bei einen Bombenräumkommando die Flucht. Er
tauchte unter bei der Frau eines Freundes und versteckte dort
Juden, Flüchtlinge und Deserteure.
Die Aktivitäten
der Ehrenfelder Gruppe wurden zum größten Teil von Steinbrink
geplant. Zu der Gruppe gehörten auch Bartholomäus Schink und
seine Freunde. Durch bestimmte Erlebnisse hatten diese Jugendlichen
einen abgrundtiefen Hass gegen die Nationalsozialisten entwickelt.
"...Ich
habe die Jungen aufgefordert, gemeinsame Aktionen mit den
Ehrenfeldern durchzuführen: wir brauchten Waffen, Munition,
Lebensmittel, u.U. auch Geld. Die Nazi-Organisation in Köln
müsse völlig durcheinandergebracht werden. Als Zielvorstellung
schwebte uns vor, vor Ankunft der Amerikaner die Flucht der
Parteigenossen und Gestapo-Beamten zu verhindern und die
verantwortlichen Nazis den Amerikanern zu übergeben." (Bericht
eines Edelweißpiraten)
Zu den Partisanenaktionen
der Ehrenfelder Gruppe gehörten Anschläge auf Gestapo- und
NS-Funktionäre. Es kam zu Schießereien mit der Gestapo und
der Polizei.
"...In
erster Linie ist hier die Großbande zu nennen, die seit August
1944 im Stadtteil Köln-Ehrenfeld ihr Unwesen trieb. Nach
den Feststellungen der Staatspolizei zählte sie 128 Köpfe.
Sie setzte sich in gleicher Weise aus Deutschen und Ausländern
zusammen. Sie terrorisierte nicht nur die Zivilbevölkerung,
sondern hatte es auch darauf abgesehen, politische Leiter
der NSDAP zu beseitigen. In ihren Reihen befanden sich auch
viele Jugendliche im Alter von 16 - 18 Jahren, ja sogar von
15 Jahren, die früher den "Edelweißpiraten" angehört
hatten.... Unter den Ermordeten befinden sich 5 politische
Leiter, 1 SA-Mann, 1 HJ-Angehöriger, 6 Polizeibeamte, darunter
der Leiter der Staatspolizeistelle Köln »SS-Sturmbannführer
Reg. Rat. Hofman« - und zwei weitere Beamte der geheimen
Staatspolizei..." (aus dem Lagebericht des Kölner Generalstaatsanwaltes
vom 30.Januar 1945)
Das NS-Regime
verstärkte seine Kontroll- und Repressionsmaßnahmen in dem
Maße, wie der jugendliche Widerstand zunahm. Besonders, als
sich der Kriegsverlauf verschlechterte. Anfangs wurde versucht,
die oppositionellen Jugendgruppen wieder in das System einzugliedern.
Man versuchte das vor allen Dingen dadurch, dass Aktivitäten
außerhalb der HJ unterdrückt wurden (z.B. Fahrtenverbot). Als
diese Maßnahmen nicht fruchteten, begann man die Jugendlichen
zu kriminalisieren. Da es im Reichsstrafgesetzbuch keine Strafbestimmungen
für jugendliche Cliquenbildung gab, wurden allgemeine Strafbestimmungen
herangezogen, um sie auf die Jugendlichen anzuwenden. Zum Beispiel:
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115 Öffentliche
Zusammenrottungen in Verbindung mit Nötigung oder Widerstand
gegen Beamte |
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116
Auflauf |
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125
Landfriedensbruch |
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127
Bildung bewaffneter Banden |
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128
Geheimbündelei |
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227
Raufhandel |
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243
Bandendiebstahl u.s.w. |
Dieses wurde
in den sogenannten "Richtlinien zur Bekämpfung jugendlicher
Cliquen", am 25.10.1944 von Kaltenbrunner erlassen, festgelegt.
Durch diese Richtlinien wurde die Auseinandersetzung mit den
oppositionellen Jugendgruppen auf eine politische Ebene gestellt.
Das heißt, die Jugendlichen wurden als Staatsfeinde und Hochverräter
behandelt. Die Nazis sahen in der Jugendopposition im Grunde
keine Form des Widerstandes, sondern in erster Linie die Infragestellung
ihres totalitären Erziehungsanspruches. Im Kriege kam noch
die Gefahr der sogenannten "Wehrkraftzersetzung" dazu,
da sich die Jugendlichen gegen den Krieg aussprachen.
Verbot
der Edelweißpiraten
Die Nazis diffamierten die Cliquen folgendermaßen:
"Zusammenschlüsse
Jugendlicher außerhalb der HJ, die nach bestimmten, mit der
nationalsozialistischen Weltanschauung nicht zu vereinbaren
Grundsätzen ein Sonderleben führen. Gemeinsam ist ihnen die
Ablehnung oder Interessenlosigkeit gegenüber den Pflichten
innerhalb der Volksgemeinschaft oder der HJ, insbesondere
der mangelnde Wille, sich den Erfordernissen des Krieges
anzupassen."
Weiterhin
hieß es in dem Erlaß:
"1.
Bei den Cliquenbildungen Jugendlicher handelt es sich um
Erscheinungsformen der Jugendgefährdung und Jugendkriminalität;
ihre Überwachung und Bekämpfung auf polizeilichem Gebiet
obliegt daher hauptverantwortlich zentral dem Reichskriminalpolizeiamt...Soweit
es sich jedoch um Cliquen mit ausgesprochenen oder vorwiegend
politischen oder staatsfeindlichen Bestrebungen handelt,
ist die Geheime Staatspolizei zuständig.
2. Überwachung und Bekämpfung der Cliquen sind kriegswichtig..."
Diese sogenannte Überwachung
und Bekämpfung stützte sich auf die Üblichen Methoden der NS-Diktatur:
Spitzeltum, Denunziation und Gestapoterror. Zum Beispiel wurden
Betriebe angewiesen, jugendliche Arbeiter, bei denen der Verdacht
bestand sie gehören zu einer Jugendclique, zu bespitzeln und
sofort zu denunzieren.
"...Ich
nehme Bezug auf die soeben mit Ihnen gehabte fernmündliche
Unterredung, wonach ich davon Mitteilung machte, dass der
vorbezeichnete Arbeiter, der wiederholt wegen unentschuldigten
Fehlens verwarnt werden musste, sich heute im Betriebe damit
gebrüstet hat, wieder einmal Hitlerjungen geschlagen zu haben.
Von dem zuständigen Vertrauensrat deshalb zur Rede gestellt,
hat E. seine Erklärung wiederholt und dabei ein derartiges
freches Benehmen gezeigt, dass der Vertrauensrat G. sich
gezwungen sah, den Jungen mit dem Lederriemen zu schlagen,
den E. am Tage vorher bei der Auseinandersetzung mit der
Hitlerjugend gebraucht hatte..." (Denunziationsschreiben
der Gutehoffnungshütte vom 25.7.1941)
Das NS-Regime
bestrafte die oppositionellen Jugendlichen mit Fürsorgeerziehung,
Gefängnis, Jugend- KZ und schreckten auch vor der Todesstrafe
nicht zurück.
"Die
Jugendlichen werden auf dem Wege der » vorläufigen Fürsorgeerziehung « in
besondere Heime oder Lager eingewiesen und dort etwa drei
Monate lang einer straffen Erziehung unterworfen.... Erweist
sich aber während dieser Erziehung, dass eine längere planmäßige
erzieherische Beeinflussung des Jugendlichen notwendig ist,
so wird die endgültige Fürsorgeerziehung herbeigeführt....
In Fällen schwerster Gefährdung oder Verwahrlosung kann die
Einweisung des Jugendlichen in ein Jugendschutzlager nach
den geltenden Bestimmungen beantragt werden."
Bereits 1940
wurde das Jugend- KZ Moringen eingerichtet. Hier wurden unangepasste
Jugendliche dauerinhaftiert. Viele Edelweißpiraten gehörten
zu den ca. 1000 Häftlingen. Anfang Oktober 1944 wurden Bartholomäus
Schink und seine festgenommen. Man schaffte sie ins Gestapo-Hauptquartier
in der Elisenstraße. Dort wurden sie schwer mißhandelt und
am 10.November 1944 Ecke Schösteinstraße/Venloerstraße ohne
Gerichtsverfahren gehängt. An der gleichen Stelle waren am
25.Oktober 1944 elf Zwangsarbeiter aus Osteuropa gehängt worden,
wegen angeblicher Plünderungen während der Bombenangriffe.
"Die
haben einige der Edelweißpiraten in Ehrenfeld an der gleichen
Stelle aufgehängt wie drei Wochen vorher die Fremdarbeiter.
Anschließend soll ein Gestapo-Mann verkündet haben, daß es
sich um ganz gefährliche Verbrecher gehandelt habe, die zum
Schutz der öffentlichen Ordnung hätten aufgehängt werden
müssen. Viele Menschen haben zugesehen, aber niemand hat
sich getraut etwas zu sagen, denn das ganze Gelände war schwer
bewacht, überall SS und Gestapo mit Maschinengewehren im
Anschlag. Die Leichen haben fast den ganzen Tag am Strick
gehangen, bis zum nächsten Luftangriff, dann wurden sie erst
abgenommen. Insgesamt sollen es 13 Personen gewesen sein,
darunter sechs Jugendliche. Der Jüngste war erst 16 Jahre
alt." |