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Widerstand: Die Swing-Jugend
(von Julia von Ahn, Miriam Tasche und Carina Barthels)
Die Mitglieder
der Swing-Jugend stammten aus dem großstädtischen Bürgertum.
Sie orientierten sich nicht an den Werten und Traditionen der
bündischen Jugend und hatten wenig Interesse an Politik. Vielmehr
wollte die Swing-Jugend ein freieres Leben und ihre eigene Kultur
haben. Das brachte sie durch ihr Interesse für die Jazz-Musik
und den amerikanisch-englischen Lebensstil
zum Ausdruck. Die berühmtesten Swing-Musiker waren Benny Goodman
(Foto rechts) und Glen Miller.
Man hörte englische
und amerikanische Schallplatten, kleidete sich dementsprechend,
gründete Swing-Bands und veranstaltete Swing-Parties. Die Kleidung
der Swing-Jungen bestand aus extrem langen Jacketts mit großem
Karomuster, weitgeschnittenen Hosen und einen nie aufgespannten
Regenschirm, als eine Art Kultobjekt. Außerdem trugen sie längere
Haare, die bis zum Jackettkragen reichten. Man begrüßte sich
mit "Swing-Heil und gab sich Spitznamen wie "Swing-Boy",
Swing-Girl" " oder "Old-Hit-Boy".
Die Swing-Mädchen
trugen kurz geschnittene Kleider oder lange Hosen, schminkten
sich, benutzten Lippenstift und lackierten sich die Fingernägel.
Das alles paßte nicht in die Ideologie der Nazis, besonders bei
den Mädchen, die gegen die Nazi-Auffassung "die deutsche
Frau schminkt sich nicht" verstießen. Swing war für die
NS-Ideologen "jüdische Niggermusik" und deshalb verboten.
In den meisten Cafe`s und Tanzlokalen waren deshalb überall von
der Reichsmusikkammer gut sichtbar Schilder angebracht worden,
mit der Aufschrift "Swing tanzen verboten".
Am 12.10.35
wurde Swing von Eugen Hadamovsky (Leiter der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft)
mit den Worten verboten: "Mit dem heutigen Tag spreche ich
ein endgültiges Verbot des Niggerjazz für den gesamten Deutschen
Rundfunk aus."
In einem Bericht
der "Reichsjugendführung" heißt es: "Die Angehörigen
der Swing-Jugend stehen dem heutigen Deutschland und seiner Polizei,
der Partei und ihren Gliederungen, der HJ, dem Arbeits- und Wehrdienst,
samt dem Kriegsgeschehen ablehnend oder zumindest uninteressiert
gegenüber. Sie empfinden die nationalsozialistischen Einrichtungen
als einen "Massenzwang". Das große Geschehen der Zeit
rührt sie nicht, im Gegenteil, sie schwärmen für alles, was nicht
deutsch, sondern englisch ist."
Dieses in den
Augen der Nazis abweichende Verhalten führte zu einem unnachgiebigen
Vorgehen der NS-Machthaber gegen die Swing-Jugend.
In einem Bericht
vom 8.1.1942 an den Reichsführer-SS Himmler heißt es unter anderem:
"In
Hamburg hat sich in den Oberschulen bzw. in der Jugend der
Kaufmannschaft eine sogenannte Swing-Jugend gebildet, die zum
Teil eine anglophile Haltung zeigt ... Da die Tätigkeit dieser
Swing-Jugend in der Heimat eine Schädigung der deutschen Volkskraft
bedeutet, halte ich die sofortige Unterbringung dieser Menschen
in ein Arbeitslager für angebracht..."
Die für Himmler
typische Antwort am 26.1.1942 lautete:
"Meines
Erachtens muß jetzt das ganze Übel radikal ausgerottet werden.
Ich bin dagegen, daß wir hier nur halbe Maßnahmen treffen.
Alle Rädelsführer ... sind in ein Konzentrationslager einzuweisen
... Der Aufenthalt im Konzentrationslager für diese Jugend
muß ein längerer, 2-3 Jahre sein ... Nur wenn wir brutal durchgreifen,
werden wir ein gefährliches Umsichgreifen dieser anglophylen
Tendenz in einer Zeit, in der Deutschland um seine Existenz
kämpft, vermeiden können."
Was die NS-Führung
von der Swing-Jugend hielt, geht aus der "Sofort-Aktion
gegen die Swing-Jugend" vom 18.8.1941 hervor:
"...Es
handelt sich hier z.T. um degenerierte und kriminell veranlagte,
mischblütige Jugendliche, die sich zu Cliquen bzw. musikalischen
Gangster-Banden zusammengeschlossen haben und die gesund empfindende
Bevölkerung durch die Art ihres Auftretens und die Würdelosigkeit
ihrer musikalischen errorisieren..."
In der Folgezeit
wurden über 300 Mitglieder der Swing-Jugend verhaftet. Sie kamen
als "Schutzhäftlinge" ins Hamburger Gestapo-Gefängnis
und ins KZ Fuhlsbüttel. Die Verachtung der Nazis gegenüber der
Swing-Jugend zeigte sich darin, daß sie dort zu besonders schweren
Arbeiten herangezogen wurden.
Die Verhaftungswelle
hatte zur Folge, daß einige Swing-Jugendliche begannen, den Nationalsozialismus
auch politisch abzulehnen. Sie fingen an, antifaschistische Flugblätter
zu verteilen. Das hatte wiederum zur Folge, daß sie mit dem Hamburger
Teil der Weißen Rose in Kontakt kamen. Es handelte sich um drei
Mitglieder der Weißen Rose, die mit dem Lebenstil der Swing-Jugend
sympathisierten. Zu einer regelrechten Zusammenarbeit mit den
Swings kam es allerdings nicht.
Doch dieser
bloße Kontakt reichte den NS-Machthabern, auch einige Swings
wegen Hochverrat, staatsfeindlicher Propaganda und Wehrkraftzersetzung
vor dem Volksgerichtshof anzuklagen. Der Prozeß und die zu erwartenden
Todesurteile wurden durch den Einmarsch der Allierten verhindert.
Nach 1945 durfte
wieder Swing gespielt werden, doch das Schicksal der Swing-Kids
wurde vergessen.
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