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Geschichte der Stadt

(von Lasse Stoltenberg und Till Burmeister)


(Gemälde von Vittore Carpaccio in der Gallerie dellAccademia)

Die Gegend um Venedig wurde in der Antike von den Venetern bewohnt. Nach der Überlieferung wurde die Stadt 452 n.Chr. gegründet. Die Bewohner Aquileias, Paduas und anderer norditalienischer Städte flüchteten damals vor germanischen Stämmen, die im 5.Jahrhundert in Italien einfielen. Sie suchten auf den Inseln der Lagune Schutz und bildeten ihre eigene Regierung, an deren Spitze Tribunen für jede der zwölf Hauptinseln standen. Obwohl Venedig Teil des Oströmischen Reiches war, hatte es praktisch einen autonomen Status. 697 organisierten die Venezianer die Stadt als Republik mit einem gewählten Dogen an ihrer Spitze. Interne Meinungsverschiedenheiten beeinträchtigten den Kurs der Regierung in den darauf folgenden Jahrhunderten, aber die Bedrohung einer Invasion von außen sorgte für den Zusammenhalt der Venezianer. Angriffe seitens der Sarazenen 836 und der Ungarn 900 wurden erfolgreich abgewehrt. 991 unterzeichnete Venedig einen Handelsvertrag mit den Sarazenen und leitete damit eine Politik ein, die darauf abzielte, mit den Muslimen Handel zu treiben anstatt sie zu bekämpfen. Die Kreuzzüge und der daraus resultierende Ausbau der Handelsbeziehungen mit Asien führte zum Aufstieg Venedigs zu einem der größten Handelszentren für den Levantehandel. Die Republik profitierte erheblich von der Teilung des Byzantinischen Reiches 1204 und wurde zu einer der politisch einflussreichsten europäischen Mächte im Mittelmeerraum. Der Aufstieg einer wohlhabenden Aristokratie führte zum Versuch der Adligen, die politische Vormacht an sich zu reißen. Venedig wurde, obwohl es eine Republik war, gegen Ende des 13.Jahrhunderts zu einer starren Oligarchie. Im 13. und 14.Jahrhundert war Venedig in eine Reihe von Kriegen mit Genua, dem bedeutendsten Rivalen im Seehandel, verwickelt. Nach dem Krieg von 1378-1381 wurde Genua im Frieden von Turin dazu gezwungen, die Vormachtstellung Venedigs anzuerkennen. In Eroberungskriegen errang Venedig das Umland, und im späten 15.Jahrhundert war der Stadtstaat zu einer der führenden Seemächte der christianisierten Welt aufgestiegen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Stadt ca 200 000 Einwohner und besaß eine riesige Handels- und Kriegsflotte. Die Seemacht der Stadt war für jene Zeit fast unglaublich: 3 300 Schiffe, 16 000 Mann und ein Arsenal, in welchem täglich eine Galeere fertigestellt wurde. Es gab 3 000 Zimmerleute, 3 000 Kalfaterer ( bei 3 000 Seiden- und 16 000 Barchentwebern ).

Mit den einsetzenden türkischen Invasionen Mitte des 15.Jahrhunderts begann der Niedergang der venezianischen Vorherrschaft. Venedig musste seine Besitzungen im östlichen Mittelmeer an das Osmanische Reich abtreten. Dadurch schwand die Macht Venedigs, das zunehmend den Attacken fremder Angreifer und denen anderer italienischer Staaten ausgesetzt war. Die Entdeckung eines Seewegs nach Indien um das Kap der Guten Hoffnung durch den portugiesischen Seefahrer Vasco da Gama 1497/98 beschleunigte diesen Machtverfall. 1508 verbündeten sich das Heilige Römische Reich, der Papst, Frankreich und Spanien in der Liga von Cambrai gegen Venedig und teilten dessen Besitz unter sich auf. Obwohl Venedig seine italienischen Ländereien durch diplomatisches Geschick 1516 zurückgewann, konnte es seine politische Macht nie wiederherstellen.

1797 wurde die Republik Venedig von Napoleon Bonaparte erobert, der sie Österreich übergab. Dieses wurden 1805 gezwungen, Venedig an das napoleonische Königreich Italien abzutreten, gewann es jedoch 1814 zurück. Ein Jahr später wurden Venedig und die Lombardei im Lombardo-Venezianischen Königreich zusammengefasst. Die Venezianer erhoben sich 1848 unter dem italienischen Politiker Daniele Manin gegen die österreichische Herrschaft und errichteten eine neue Republik. Österreich gewann die Kontrolle über Venedig jedoch ein Jahr später zurück. 1866, nach dem Siebenwöchigen Krieg, wurde Venedig nach einer Volksabstimmung Teil des neu geschaffenen Königreiches Italien.

Die Einwohnerzahl von Venedig beträgt heute etwa 310000.

Quellen: Bertelsmann- Lexicodisc 1995/Encarta Enzyclopädie 1999 /ADAC Reiseführer "Italien".